Seitliche Hüftschmerzen treten häufig auf und können verschiedene Ursachen haben. Eine der häufigsten und dennoch oft missverstandenen Ursachen ist die Glutealtendinopathie. Dieser Begriff beschreibt eine schmerzhafte Veränderung der Sehnen des Gluteus medius und minimus, die häufig im Rahmen des sogenannten Greater Trochanteric Pain Syndrome (GTPS) auftritt. In diesem Ratgeber erfahren Sie, wie Sie eine Glutealtendinopathie erkennen, woran sie sich von anderen Hüftbeschwerden unterscheidet und welche Übungen bei GTPS tatsächlich helfen. So ermöglichen wir Ihnen eine fundierte Selbstdiagnose und zeigen praktische Selbsthilfetipps, die Sie im Alltag unterstützen können.
Was ist eine Glutealtendinopathie?
Die Glutealtendinopathie ist eine Erkrankung der Sehnen der Hüftmuskulatur, speziell des Gluteus medius und Gluteus minimus. Diese Sehnen setzen am großen Rollhügel des Oberschenkelknochens – dem sogenannten Trochanter major – an und spielen eine zentrale Rolle bei der Stabilisierung des Beckens beim Stehen und Gehen. Die Erkrankung ist eine der häufigsten Ursachen für seitliche Hüftschmerzen und wird deshalb oft als Teil des Greater Trochanteric Pain Syndroms (GTPS) zusammengefasst. Im Gegensatz zur früher angenommenen Trochanterbursitis, also einer Entzündung der Schleimbeutel, zeigen aktuelle Studien, dass die Veränderungen an den Sehnen der Glutealmuskulatur im Vordergrund stehen.
Die Pathologie entsteht durch wiederholte Überlastung und Kompression der Sehnen bei bestimmten Bewegungshaltungen, besonders wenn die Hüfte in Adduktion belastet wird. Dies führt zu degenerativen Veränderungen, Mikroverletzungen und damit verbunden zu Schmerzen. Frauen mittleren Alters sind statistisch häufiger betroffen als Männer, wobei auch sportliche und berufliche Belastungen den Krankheitsverlauf mit beeinflussen können. Die Diagnose dieser Erkrankung erfordert eine differenzierte Betrachtung des Beschwerdebildes und der funktionellen Untersuchung der Hüftmuskulatur.
Typische Symptome und Beschwerden bei GTPS
Die Hauptbeschwerden bei einer Glutealtendinopathie zeigen sich als Schmerzen an der seitlichen Hüftregion, genauer am Trochanter major. Betroffene beschreiben häufig einen dumpfen, manchmal stechenden Schmerz, der sich bei Belastung, besonders beim Gehen, Stehen auf einem Bein oder Treppensteigen verstärkt. Auch das Liegen auf der betroffenen Seite ist oft schmerzhaft und beeinträchtigt die Schlafqualität erheblich. Selten strahlen die Schmerzen bis in den lateralen Oberschenkel aus, jedoch bleibt die Schmerzregion meist eng begrenzt.
Die Schmerzen treten insbesondere bei Aktivitäten auf, die die Hüftabduktoren beanspruchen, da diese Muskeln und ihre Sehnen genau hier betroffen sind. Das Halten des Körpers im Einbeinstand, beispielsweise beim Gehen oder Balancieren, führt häufig zu Schmerzen. Auch der Versuch, das Bein aktiv nach außen wegzuführen (Abduktion), kann schmerzhaft sein. Wichtig ist, dass diese Symptome die Betroffenen in ihrer Beweglichkeit einschränken, aber in der Regel nicht mit einer spürbaren Entzündung oder Schwellung einhergehen.
Abgrenzung zu anderen Hüftbeschwerden
Da seitliche Hüftschmerzen viele Ursachen haben können, ist eine sorgfältige Abgrenzung entscheidend. Hüftarthrose zum Beispiel verursacht vor allem Schmerzen in der Leistenregion und führt typischerweise zu Bewegungseinschränkungen in der Hüfte. Im Gegensatz dazu sind Schmerzen bei Glutealtendinopathie weiter außen lokalisiert und die Beweglichkeit bleibt meist weitgehend erhalten.
Ebenso können lumbale Rückenprobleme Schmerzen im Bereich der Hüfte verursachen, diese strahlen jedoch eher diffus und tiefer aus. Hierzu kommen oft neurologische Symptome, wie Kribbeln oder Taubheit, die bei der Glutealtendinopathie nicht typisch sind. Eine isolierte Trochanterbursitis ist als Ursache ebenfalls selten, zeigt meist keine ausgeprägten Entzündungszeichen und kann klinisch kaum von der Sehnenpathologie unterschieden werden.
Bildgebende Verfahren wie MRT oder Ultraschall sind unterstützend, zeigen jedoch häufig auch Veränderungen bei symptomfreien Personen. Daher darf die Diagnose „Glutealtendinopathie erkennen“ nicht ausschließlich auf Bildgebung basieren, sondern verlangt eine ausführliche klinische Untersuchung mit Fokus auf die funktionellen Tests der Hüftmuskulatur und gezielter Palpation.
Erste Selbsthilfetipps und Übungen bei Glutealtendinopathie

Ein wichtiger erster Schritt bei der Glutealtendinopathie ist die Entlastung der betroffenen Sehnen. Vermeiden Sie Überlastungen durch Hüftadduktion, das heißt beispielsweise das Überkreuzen der Beine im Sitzen oder Liegen, da dadurch die Kompression an den Sehnen erhöht wird. Stattdessen sollten Sie eine neutrale bis leicht abduzierte Hüftposition einnehmen.
Gezielte Übungen, die die Hüftabduktoren kräftigen, sind essenziell, um die muskuläre Stabilität zu verbessern und die Belastung auf die Sehnen zu reduzieren. Empfehlenswert sind Übungen wie das seitliche Abspreizen des Beins im Liegen oder Stehen, Einbeinstand zur Verbesserung der Beckenkontrolle und spezielle Kräftigungsprogramme unter Anleitung eines Physiotherapeuten. Achten Sie dabei auf eine schmerzangepasste Dosierung der Übungen: Ein leichter Schmerz während der Übungen ist oft tolerierbar, starke Schmerzen sollten jedoch vermieden werden.
Darüber hinaus hilft die progressive Steigerung der Belastung im Alltag, wie etwa langsames und kontrolliertes Treppensteigen, um die Funktion der Hüfte zu fördern. Vermeiden Sie abrupte Belastungsspitzen und achten Sie auf ausreichend Regenerationsphasen. Dies unterstützt die Heilung der betroffenen Sehnen und beugt einer Chronifizierung der Beschwerden vor.
Wie Sie Belastung richtig steuern

Die richtige Belastungssteuerung ist bei der Glutealtendinopathie zentral für den Behandlungserfolg. Kompressionsbelastung durch Adduktion sollte nach Möglichkeit reduziert werden, da sie die schmerzhaften Sehnenstrukturen direkt belastet. Praktisch bedeutet das, risikobehaftete Alltagssituationen zu erkennen und bewusst zu verändern, etwa Sitzpositionen, längeres Stehen mit überkreuzten Beinen oder das Bewegen auf unebenem Untergrund.
Schrittweise Belastungserhöhung ist das Ziel, um die Muskulatur zu kräftigen und die Sehnen zu stabilisieren. Übungen sollten zunächst mit geringer Intensität ausgeführt werden und nur bei geringer bis moderater Schmerzbelastung erfolgen. Das Training der Hüftabduktoren unterstützt dabei, die biomechanische Belastung der Hüfte zu optimieren und Schmerzen zu reduzieren.
Neben den Übungen spielt auch eine gute Haltungskontrolle und Körperwahrnehmung eine Rolle. Physiotherapeuten können Anleitung geben, wie Sie Ihre Bewegungen so ausführen, dass die betroffenen Sehnen minimal belastet werden. Ebenso sollte die Belastung beim Gehen, insbesondere beim Einbeinstand und Treppensteigen, sorgsam gesteuert werden. Dies hilft, Rückfälle zu vermeiden und den Heilungsprozess nachhaltig zu fördern.
Wann zum Arzt?
Sollten die seitlichen Hüftschmerzen trotz Selbsthilfemaßnahmen über mehrere Wochen anhalten oder sich verschlimmern, ist eine ärztliche Abklärung ratsam. Ein Arzt oder speziell ein Orthopäde kann mittels umfassender Anamnese, klinischer Untersuchung und gegebenenfalls ergänzender bildgebender Verfahren eine gesicherte Diagnose stellen und andere Ursachen ausschließen.
Zudem empfiehlt sich der Arztbesuch, wenn extrem starke Schmerzen, Bewegungseinschränkungen oder neurologische Ausfälle auftreten. In seltenen Fällen sind auch invasive Therapieverfahren wie Injektionen mit Corticosteroiden oder Stoßwellentherapie sinnvoll, wobei deren Langzeiteffekt begrenzt ist und individuell abgewogen werden sollte.
Eine operative Therapie ist nur in Ausnahmefällen angezeigt, vor allem bei ausgeprägten Sehnenrissen, die konservativ nicht therapierbar sind. Die Entscheidung hierfür wird immer in enger Abstimmung mit Fachärzten und Therapeuten getroffen.
Weiterführende Links
Für weiterführende Informationen und praktische Tipps empfehlen wir die Artikel zu „seitliche Hüftschmerzen“ und „Belastungssteuerung“ auf unserer Webseite. Sie bieten ergänzende Anleitungen, um die Belastung im Alltag optimal zu gestalten und Schmerzen zu reduzieren. Zudem können Sie mit unserem Symptom-Check eine individuelle Einschätzung Ihrer Beschwerden vornehmen und herausfinden, ob eine Glutealtendinopathie vorliegen könnte.
Externe Ressourcen wie die Studie von Alison Grimaldi oder Informationsseiten von Fachkliniken bieten ergänzende wissenschaftlich fundierte Informationen. Dadurch können Sie Ihre eigene Situation besser verstehen und gezielt an Lösungswegen arbeiten.
Unser Fazit: Eine frühzeitige und gezielte Diagnose mit angepasster Therapie ist der Schlüssel, um eine Glutealtendinopathie zu erkennen, nachhaltig zu behandeln und wieder schmerzfreie Beweglichkeit im Alltag zu erlangen.
FAQ – Häufig gestellte Fragen
Wie erkenne ich eine Glutealtendinopathie?
Eine Glutealtendinopathie äußert sich vor allem durch Schmerzen an der seitlichen Hüfte, insbesondere bei Belastungen wie Gehen, Treppensteigen oder Liegen auf der betroffenen Seite. Die Diagnose erfolgt durch gezielte körperliche Untersuchungen und Einbeziehung der Krankengeschichte.
Welche Übungen helfen bei Glutealtendinopathie?
Kräftigungsübungen der Hüftabduktoren wie das seitliche Beinheben, Training im Einbeinstand und Beckenkontroll-Übungen sind sinnvoll. Wichtig ist, die Übungen schmerzangepasst und progressiv durchzuführen. |
Woran unterscheiden sich GTPS und andere Hüftbeschwerden?
GTPS verursacht seitliche Hüftschmerzen bei Belastung, während Hüftarthrose eher Leistentypische Schmerzen mit Bewegungseinschränkung zeigt. Lumbale Ursachen führen zu diffuseren, tieferen Schmerzen und meist neurologischen Symptomen.
Wie kann ich seitliche Hüftschmerzen selbst behandeln?
Durch Vermeiden von belastenden Positionen (z. B. Beine nicht überkreuzen), gezieltes Muskelkräftigungstraining und schrittweise Steigerung der Belastung können Schmerzen reduziert werden. Eine ärztliche Abklärung empfiehlt sich bei anhaltenden Beschwerden.
Wann sollte ich zum Arzt mit seitlichen Hüftschmerzen?
Wenn Schmerzen trotz Selbsthilfemaßnahmen länger als mehrere Wochen bestehen, sich verschlimmern oder die Beweglichkeit stark einschränken, ist eine ärztliche Diagnose und Behandlung wichtig.
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