Hüftdysplasie verstehen: Anzeichen, Diagnose und Behandlung bei Erwachsenen

20. April 2025
Röntgenbild eines Beckens mit operativ behandelter Hüftdysplasie auf der linken Seite, erkennbar an der Schraubenosteosynthese.

Inhaltsverzeichnis

Eine Hüftdysplasie bedeutet, dass die Hüftpfanne den Hüftkopf nicht vollständig überdacht. Viele denken dabei an Babys, doch auch Jugendliche und Erwachsene haben Beschwerden durch eine Hüftdysplasie, oft ohne es lange zu wissen. In diesem Artikel erfährst du, an welchen 3 Anzeichen du eine mögliche Hüftdysplasie erkennen kannst, wie sie im Röntgenbild eingeordnet wird, was Training leisten kann und wann eine Operation infrage kommt.

Was ist eine Hüftdysplasie?

Röntgenvergleich dreier Hüften: Hüftdysplasie mit zu kleiner Pfannenüberdachung, normale Überdachung und Protrusio acetabuli mit zu tiefer Pfanne

Dein Hüftgelenk besteht aus dem Hüftkopf am Oberschenkel und der Hüftpfanne am Becken. Normalerweise sitzt der Kopf tief in der Pfanne und ist seitlich gut überdacht. Bei einer Hüftdysplasie ist die Pfanne zu flach oder zu klein. Der Kopf ist dann weniger gut geführt.

Das hat Folgen für die Lastverteilung. Die Kraft verteilt sich auf eine kleinere Fläche, und die Gelenklippe am Pfannenrand, das Labrum, muss mehr Arbeit übernehmen. Gala, Clohisy und Beaulé (2016) beschreiben den erhöhten mechanischen Stress auf den Knorpel und eine Überlastung des Labrums als zentralen Mechanismus. Auch die Muskeln rund um die Hüfte leisten mehr Stabilisierungsarbeit.

Wichtig für dich: Eine Hüftdysplasie ist eine Form, kein Urteil. Viele Menschen mit flacher Pfanne haben lange keine oder nur wenige Beschwerden. Ob und wann es schmerzt, hängt auch davon ab, wie du deine Hüfte belastest und wie gut deine Muskulatur sie stabilisiert.

Hüftdysplasie beim Baby und beim Erwachsenen: kurz eingeordnet

Bei Neugeborenen in Deutschland liegt die Häufigkeit einer Hüftdysplasie laut aktueller Leitlinie bei etwa 2 bis 4 % (Deutsche Gesellschaft für Orthopädie und Unfallchirurgie [DGOU], 2021). Deshalb wird bei jedem Säugling in der U3 ein Ultraschall der Hüften gemacht. Bei Risikofaktoren wie einer Geburt aus Beckenendlage oder Hüftdysplasie in der Familie geschieht das schon in der U2.

Bei Jugendlichen und Erwachsenen geht es meist um eine leichtere Form, die im Säuglingsalter unauffällig war oder sich erst später zeigt. In einer dänischen Bevölkerungsstudie mit über 3.500 Erwachsenen hatten je nach Messmethode 5,4 bis 12,8 % Röntgenzeichen einer Hüftdysplasie (Jacobsen & Sonne-Holm, 2005). Ein solcher Röntgenbefund ist also nicht selten, und nicht jeder verursacht Schmerzen.

Symptome: 3 typische Anzeichen einer Hüftdysplasie

Nunley, Prather, Hunt, Schoenecker und Clohisy (2011) haben 57 Jugendliche und Erwachsene mit schmerzhafter Hüftdysplasie untersucht. Bei 97 % begannen die Beschwerden schleichend, ohne klaren Auslöser. Bei 88 % hingen sie mit Aktivität zusammen. Bis zur Diagnose vergingen im Mittel gut fünf Jahre. Drei Anzeichen kommen dabei immer wieder vor.

1. Schmerz in der Leiste

Am häufigsten sitzt der Schmerz vorne in der Leiste, in der Studie von Nunley et al. (2011) bei 72 % der Hüften. Er wird oft als dumpf beschrieben und nimmt bei längerem Gehen, Stehen oder Sport zu. Leistenschmerz hat allerdings viele mögliche Ursachen, zum Beispiel ein Hüftimpingement oder Beschwerden der Adduktoren.

2. Schmerz an der Außenseite der Hüfte

Zwei Drittel der Hüften (66 %) zeigten auch seitliche Schmerzen (Nunley et al., 2011). Das passt zu einer weiteren Beobachtung: Bei rund der Hälfte von 100 Menschen mit Hüftdysplasie fanden Jacobsen et al. (2018) Schmerzen, die von Muskeln und Sehnen ausgingen. Am häufigsten betroffen waren der Hüftbeuger Iliopsoas (56 %) und die seitlichen Hüftmuskeln, die Abduktoren (42 %). Wer solche Schmerzen hatte, war im Mittel etwas schwächer und im Alltag stärker eingeschränkt.

Für dich heißt das: Nicht jeder Schmerz bei einer Hüftdysplasie kommt direkt aus dem Gelenk. Muskeln und Sehnen, die dauerhaft mehr stabilisieren müssen, können selbst empfindlich werden. Wie seitlicher Hüftschmerz sonst entsteht, liest du im Artikel zu seitlichen Hüftschmerzen und GTPS.

3. Unsicherheitsgefühl, Klicken und schnelle Ermüdung

Die British Hip Society [BHS] (o. J.) nennt neben Schmerz in Leiste, Seite oder Gesäß auch ein Klacken oder Klicken im Gelenk und ein Gefühl von Instabilität. Manche beschreiben, dass die Hüfte „wegknickt“ oder sich nicht sicher anfühlt. Dass die Hüftmuskeln bei längerer Belastung schneller ermüden, ist naheliegend, weil sie mehr Führungsarbeit übernehmen. Gut untersucht ist dieser Punkt bisher aber nicht.

Klicken oder Blockieren kann auch auf eine Reizung des Labrums hinweisen. Mehr dazu findest du im Artikel zum Labrumriss. Insgesamt sind die Symptome einer Hüftdysplasie sehr unterschiedlich und treten oft zusammen mit anderen Beschwerden des Bewegungsapparats auf (Jacobsen et al., 2026).

Warnzeichen: Wann du ärztlich abklären lassen solltest

Lass deine Beschwerden zeitnah ärztlich abklären, wenn einer dieser Punkte zutrifft:

  • Die Schmerzen begannen nach einem Sturz oder Unfall.
  • Du hast Fieber oder fühlst dich allgemein krank.
  • Du hast starke Schmerzen in der Nacht, unabhängig von deiner Liegeposition.
  • Du verlierst ungewollt Gewicht oder hast eine bekannte Tumorerkrankung.
  • Du bemerkst Taubheit im Gesäß- oder Genitalbereich oder Probleme mit Blase oder Darm.
  • Die Kraft in deinem Bein nimmt zunehmend ab.

Diagnose: Wie eine Hüftdysplasie im Röntgen eingeordnet wird

Die wichtigste Untersuchung ist ein Röntgenbild des Beckens von vorne (BHS, o. J.). Darauf wird der LCE-Winkel gemessen, der laterale Zentrum-Ecken-Winkel nach Wiberg. Er zeigt, wie weit die Pfanne den Hüftkopf seitlich überdacht. Je kleiner der Winkel, desto geringer die Überdachung.

Röntgenbild eines Beckens mit eingezeichnetem LCE-Winkel: bei Hüftdysplasie ist der Hüftkopf seitlich weniger von der Pfanne überdacht

Die Grenzwerte sind nicht ganz einheitlich. Werte von etwa 20 bis 25 Grad gelten meist als Grenzbereich, die sogenannte Borderline-Dysplasie, manche setzen die Grenze bei 18 bis 25 Grad an (Willey, Holland, Thomas-Aitken & Goetz, 2018). Darunter spricht man von einer Hüftdysplasie. Die British Hip Society stuft schon Werte unter 25 Grad als Dysplasie ein (BHS, o. J.).

Eine seitliche Spezialaufnahme, die False-Profile-Aufnahme, zeigt zusätzlich die vordere Überdachung. CT oder MRT helfen, die Form in drei Dimensionen zu beurteilen und Labrum und Knorpel anzusehen (BHS, o. J.). Das ist sinnvoll, weil bei mehr als der Hälfte der Betroffenen auch der Oberschenkelkopf oder Schenkelhals anders geformt ist (Gala et al., 2016).

Was der Winkel aussagt und was nicht

Ein Grenzbefund ist bei jungen Menschen mit und ohne Hüftschmerzen häufig (Willey et al., 2018). Ein Winkel allein erklärt deine Beschwerden also nicht. Eine aktuelle Übersicht betont, dass die Bildgebung unverzichtbar ist, aber immer zusammen mit Gespräch und Untersuchung gelesen werden muss (Jacobsen et al., 2026). Dazu gehören Beweglichkeit, Tests, die deine Beschwerden auslösen, eine allgemeine Überbeweglichkeit der Gelenke und die umliegenden Muskeln und Sehnen.

Hüftdysplasie und Arthrose: Was Studien zeigen

Viele Betroffene fragen sich, ob eine Hüftdysplasie zwangsläufig zu Arthrose führt. Die ehrliche Antwort: Das Risiko ist erhöht, aber ein fester Verlauf ist es nicht.

  • In der dänischen Bevölkerungsstudie hing eine Hüftdysplasie bei Frauen und Männern mit häufigerer Hüftarthrose zusammen (Jacobsen & Sonne-Holm, 2005). Das ist ein Zusammenhang zu einem Zeitpunkt, kein Beweis für Ursache und Wirkung.
  • Umgekehrt findet sich bei 20 bis 40 % der Menschen mit Hüftarthrose eine Hüftdysplasie (Gala et al., 2016).
  • Wyles et al. (2017) verfolgten über im Mittel 20 Jahre die noch nicht operierte Gegenseite von Menschen, die bereits ein künstliches Hüftgelenk hatten. Hüften mit Dysplasie zeigten früher Arthrosezeichen als normal geformte Hüften. Je deutlicher die Dysplasie, desto höher war das Risiko.
  • Melugin et al. (2022) beobachteten 159 Hüften mit schmerzhafter Hüftdysplasie ohne Operation über im Mittel gut acht Jahre. Bei 20 % zeigten sich Arthrosezeichen im Röntgen. Ein höheres Alter bei Beschwerdebeginn und ein Body-Mass-Index über 29 erhöhten das Risiko.

Was heißt das für dich? Rund vier von fünf Hüften in der Studie von Melugin et al. (2022) zeigten im Beobachtungszeitraum keine Arthrosezeichen. Eine Hüftdysplasie ist ein Risikofaktor, den du ernst nehmen solltest, ohne in Angst zu leben. Wie Arthrose und Schmerz zusammenhängen, liest du im Artikel zur Hüftarthrose.

Konservative Behandlung der Hüftdysplasie: Training und Belastungssteuerung

Zur Behandlung ohne Operation gibt es bisher wenig Forschung. Trotzdem wird häufig zuerst ein Versuch ohne Operation empfohlen, besonders bei leichteren Formen (Disantis, Martin, Enseki, Spaid & McClincy, 2023). Dazu zählen Physiotherapie, Training und Schmerzmittel (BHS, o. J.). Was dabei sinnvoll ist, stützt sich vor allem auf Expertenkonsens und kleine Studien. Diese Unsicherheit solltest du kennen.

Was Fachleute für das Training empfehlen

Was wurde untersucht? Disantis et al. (2023) haben 15 nordamerikanische Physiotherapeut:innen mit viel Erfahrung bei Hüftdysplasie in drei Runden befragt. Als Konsens galt eine Zustimmung von über 75 %. Was kam heraus? Diese Prinzipien fanden breite Zustimmung:

  • Kräftigen statt dehnen: Im Mittelpunkt stehen die seitlichen und hinteren Hüftmuskeln, die tiefen Hüftdreher und die Rumpfmuskulatur. Dehnen sollte kein Schwerpunkt sein, weil die Hüfte eher zu wenig als zu viel Führung hat.
  • Schrittweise steigern: zuerst Halteübungen, dann Bewegung, später kontrolliertes Abbremsen. Erst beidbeinig, dann einbeinig, sobald das Becken stabil bleibt.
  • Hüftbeuger später: Übungen für den Hüftbeuger erst, wenn die Hüfte weniger gereizt ist, und zunächst mit kurzem Hebel, also gebeugtem Knie.
  • Schmerz als Wegweiser: Aktivitäten, die den Schmerz nicht verstärken, sind erlaubt. Schmerzhafte Aktivitäten werden angepasst oder vorerst weggelassen.
  • Ausdauer gelenkschonend beginnen: zum Beispiel Radfahren oder Schwimmen. Laufen erst, wenn die Hüfte ruhiger ist, das Gangbild normal und die Kontrolle auf einem Bein gut.

Was heißt das für dich? Diese Empfehlungen sind eine sinnvolle Orientierung, aber kein Beleg für eine bestimmte Wirkung. Kontrollierte Studien dazu sind selten.

Was eine erste Trainingsstudie zeigt

Mortensen et al. (2018) ließen 17 Menschen mit Dysplasie, die auf eine Operation warteten, acht Wochen lang betreut an Geräten trainieren. Die Teilnahme lag bei rund 90 %, Nebenwirkungen waren selten und leicht. In vier von sechs Bereichen eines Hüftfragebogens verbesserten sich die Werte, ebenso Sprungtests und die Kraft des Hüftbeugers.

Die Studie war klein und hatte keine Vergleichsgruppe. Sie zeigt vor allem, dass gezieltes Krafttraining trotz flacher Pfanne machbar und gut verträglich sein kann. Wie du Training grundsätzlich aufbaust, erfährst du in der Serie Training mit Hüftschmerzen.

Belastung steuern mit Schmerzampel und 24-Stunden-Regel

Belastungssteuerung ist die zentrale Stellschraube, im Training wie im Alltag. Zwei einfache Werkzeuge helfen dir dabei:

  • Grün (0 bis 3 von 10): Die Belastung passt. Du kannst weitermachen und langsam steigern.
  • Gelb (4 bis 5 von 10): noch vertretbar. Halte die Dosis, steigere nicht weiter und prüfe den nächsten Tag.
  • Rot (über 5 von 10 oder deutlich stärker am nächsten Tag): Das war zu viel. Reduziere beim nächsten Mal Umfang, Tempo oder Bewegungsausmaß.

Die 24-Stunden-Regel ergänzt die Ampel: Wie geht es deiner Hüfte am nächsten Morgen? Ist sie auf dem Niveau von vorher, war die Dosis in Ordnung. Beides ist eine Orientierung, keine starre Grenze.

Alltag mit Hüftdysplasie: Belastung verteilen

  • Sitzen: Langes Sitzen in tiefen Stühlen kann eine empfindliche Hüfte reizen. Steh regelmäßig auf und wähle eine Sitzhöhe, bei der die Knie nicht über der Hüfte liegen.
  • Endpositionen: Tiefe Hocke und starkes Drehen in der Hüfte werden von manchen schlechter vertragen. Das heißt nicht, dass sie verboten sind. Teste, wie viel davon dir guttut.
  • Gehen und Stehen: lieber mehrere kürzere Einheiten als eine lange. Tempo, Strecke und Untergrund sind weitere Stellschrauben.
  • Erholung: Schlaf, Stress und Sorgen um die Hüfte können beeinflussen, wie stark du Schmerz wahrnimmst. Auch das gehört zum Gesamtbild.

Was ist, wenn es trotz Training nicht besser wird? Die Fachleute bei Disantis et al. (2023) empfehlen eine erneute ärztliche Rücksprache, wenn sich nach 4 bis 8 Wochen Physiotherapie trotz besserer Kraft und Kontrolle die Beschwerden nicht bessern.

Operation bei Hüftdysplasie: die periazetabuläre Osteotomie (PAO)

Bei der periazetabulären Osteotomie, kurz PAO, wird der Knochen rund um die Hüftpfanne durchtrennt. Die Pfanne wird so gedreht, dass sie den Hüftkopf besser überdacht, und anschließend mit Schrauben fixiert. Bei Erwachsenen ist eine solche Pfannen-Osteotomie das am häufigsten genutzte Verfahren zur Korrektur einer Hüftdysplasie (Gala et al., 2016).

Röntgenbild eines Beckens nach periazetabulärer Osteotomie auf der linken Seite, die neu ausgerichtete Hüftpfanne ist mit Schrauben fixiert

Was zeigen die Studien? O’Brien et al. (2024) haben in einer Übersichtsarbeit Studien zu Schmerz, Funktion und Lebensqualität vor und nach PAO zusammengefasst. Ein und zwei Jahre nach der Operation ging es den Betroffenen im Mittel deutlich besser. Das Niveau gesunder Vergleichsgruppen erreichten sie aber nicht. Eine PAO kann also viel verbessern, Restbeschwerden sind trotzdem häufig.

Nicht jede Hüfte eignet sich für diese Operation. Laut British Hip Society sind die Ergebnisse bei über 50-Jährigen schlechter, zwischen 40 und 50 Jahren wird zur Vorsicht geraten. Bei deutlicher Arthrose wird ein gelenkerhaltender Eingriff nicht empfohlen. Eine Gelenkspiegelung allein spielt höchstens bei Borderline-Befunden eine Rolle und ist umstritten (BHS, o. J.). Bei fortgeschrittener Arthrose ist ein künstliches Hüftgelenk eine gute Option (Gala et al., 2016), mehr dazu im Artikel zur Hüft-TEP.

Ob eine Operation für dich infrage kommt, besprichst du am besten mit einer orthopädischen Praxis, die viel Erfahrung mit gelenkerhaltender Hüftchirurgie hat. Auch vor einer geplanten PAO kann gezieltes Krafttraining machbar und gut verträglich sein (Mortensen et al., 2018).

Typische Denkfehler bei Hüftdysplasie

  • „Meine Hüfte ist instabil, also muss ich sie schonen.“ Schonung baut keine Stabilität auf. Dosierte Kräftigung ist der Weg, den Fachleute empfehlen.
  • „Ich muss mehr dehnen, weil es zieht.“ Bei einer Hüftdysplasie fehlt eher Führung als Beweglichkeit. Ausgiebiges Dehnen steht deshalb nicht im Vordergrund.
  • „Mit Hüftdysplasie bekomme ich sicher Arthrose.“ Das Risiko ist erhöht, aber viele Hüften bleiben über Jahre ohne Arthrosezeichen.
  • „Der Winkel im Röntgen erklärt alles.“ Grenzbefunde sind auch bei Menschen ohne Schmerzen häufig. Entscheidend ist das Gesamtbild aus Beschwerden, Untersuchung und Bild.

Nächster Schritt

Eine Hüftdysplasie ist eine Formvariante mit erhöhtem Risiko, kein Schicksal. Bei vielen Betroffenen ist gezieltes Training mit kluger Belastungssteuerung der erste Schritt, bei einem Teil kommt später eine Operation infrage. Die Studienlage zum Training ist noch dünn, die Richtung aber klar: Kraft und Kontrolle aufbauen, statt die Hüfte zu schonen.

Der kostenlose Symptom-Check hilft dir, deine Beschwerden einzuordnen. Wenn du dir Unterstützung beim Aufbau deines Trainings wünschst, begleite ich dich als Sporttherapeut gern. In meiner Online-Beratung schauen wir gemeinsam, wo du gerade stehst und wie dein nächster Schritt aussehen kann.

FAQ: Häufige Fragen zur Hüftdysplasie

Kann eine Hüftdysplasie bei Erwachsenen erst spät Beschwerden machen?

Ja. Viele Betroffene haben erst als Jugendliche oder Erwachsene Beschwerden, die meist schleichend beginnen. In einer Studie vergingen bis zur Diagnose im Mittel gut fünf Jahre (Nunley et al., 2011).

Wie wird eine Hüftdysplasie festgestellt?

Grundlage ist ein Röntgenbild des Beckens, auf dem unter anderem der LCE-Winkel gemessen wird. Werte zwischen etwa 20 und 25 Grad gelten meist als Grenzbereich, darunter spricht man von einer Hüftdysplasie (Willey et al., 2018). Der Befund wird immer zusammen mit deinen Beschwerden und der Untersuchung bewertet.

Hilft Training bei Hüftdysplasie?

Fachleute empfehlen bei vielen Betroffenen zunächst eine Behandlung ohne Operation mit gezielter Kräftigung der Hüft- und Rumpfmuskulatur (Disantis et al., 2023). Erste kleine Studien zeigen, dass Krafttraining machbar und gut verträglich ist (Mortensen et al., 2018). Große kontrollierte Studien fehlen noch.

Bekomme ich mit Hüftdysplasie zwangsläufig Arthrose?

Nein. Das Risiko ist erhöht, aber kein fester Verlauf. In einer Studie mit Betroffenen ohne Operation zeigten nach im Mittel gut acht Jahren 20 % Arthrosezeichen im Röntgen, die meisten Hüften also nicht (Melugin et al., 2022).

Wann kommt eine Operation bei Hüftdysplasie infrage?

Bei anhaltenden Beschwerden trotz konsequenter Behandlung ohne Operation kann eine periazetabuläre Osteotomie (PAO) sinnvoll sein. Die Ergebnisse sind besser bei jüngeren Menschen ohne deutliche Arthrose (BHS, o. J.). Die Entscheidung triffst du gemeinsam mit einer erfahrenen orthopädischen Praxis.

Literaturverzeichnis

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Deutsche Gesellschaft für Orthopädie und Unfallchirurgie. (2021). Hüftdysplasie (S2k-Leitlinie, AWMF-Register-Nr. 033-033, Version 2.0). Zugriff am 01.10.2026. Verfügbar unter https://register.awmf.org/de/leitlinien/detail/033-033

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